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AUDIODATEN SICHER ONLINE ÜBERMITTELN

Die Zeiten sind vorbei, in denen man größere Datenmengen (Audio) auf CD brennen und verschicken musste. Schnelle Internetverbindungen bieten die Möglichkeit, Audiodateien oder CD-Images per Up- und Download übers Internet (vorzugsweise über FTP-Server) zu übermitteln.

Beim Verschicken von Master-CDs an Presswerke hat sich dafür das DDP-Image (genauer: DDP-Datensatz, DDP = Disk Description Protocol) etabliert. Mit geeigneten Mastering-Tools wie z. B. Sequoia (Windows) oder Wavelab 7.x (OS-X und Windows) kann man fertig gemasterte CD-Projekte als DDP-Image exportieren und – fast genauso wichtig – auch DDP-Images importieren. Zwar bietet auch Waveburner (OS-X) eine DDP-Image-Export-Funktion, ist aber in diesem Punkt fehleranfällig. Außerdem lassen sich mit Waveburner keine DDP-Images importieren. Das hat zur Folge, dass man mit Weveburner erzeugte und als DDP-Image exportierte Master-CDs nicht überprüfen kann, sofern man nicht darüber hinaus über ein Tool zum Importieren von DDP-Images verfügt. Es ist aber grundsätzlich zu empfehlen, ein DDP-Image vor der Lieferung an ein Presswerk zu überprüfen (z. B. auch mit dem DDP-Player der Firma Sonoris, für Mac und PC verfügbar auch als Demo).

Bietet die DAW keine integrierte Lösung zum Erzeugen und/oder zum Importieren von DDP-Images, bietet sich dafür einerseits der "DDP Creator" von Sonoris an (mehr dazu auch weiter unten). Darüber hinaus gibt es relativ preisgünstige Lösungen wie "CD Burn & DDP" von HOFA oder "Triumph" von Audiofile Engeneering.
Eine sehr spezielle Lösung ist der "DDP Player Maker" von HOFA, mit dem ein DDP-Datensatz erzeugt werden kann und für den Adressaten auch gleich ein DDP-Player mitgeliefert wird, der allerdings ausschließlich das gelieferte DDP-Image abspielen kann. Die hier genannten Tools sind in gewissem Maße auch zum Mastern/Editieren von Audio-CD-Inhalten geeignet und sowohl für Windows als auch für OS-X verfügbar.

Eine andere Möglichkeit, Audio-CDs als Image-Files zu speichern und zu übermitteln, ist das BIN-Image. Der Vorteil: Der Adressat benötigt keinen DDP-Player zum Öffnen oder Brennen auf CD. BIN-Images von einer Audio-CD lassen sich unter Windows z. B. mit ImgBurn erzeugen bzw. auf CD brennen. Und in OS-X eignet sich dafür u. a. Liquid CD. Dabei gelten aber folgende Einschränkungen bzw. Unterschiede:

LiquidCD (ebenso wie TOAST) ist nicht in der Lage, ISRC-Codes – sofern vorhanden – in ein BIN-Image zu schreiben bzw. die darin zu lesen! ImgBurn hingegen schreibt zwar die ISRC-Codes ins BIN-Image und reproduziert diese auch beim Brennen auf CD korrekt. Mir ist aber bisher (05/2014) kein Tool bekannt, mit dem unter OS-X via BIN-Images CDs so kopiert werden können, dass dabei auch die im Original ggf. enthaltenen ISRC-Codes mit übertragen werden. Aber auch wenn das BIN-Image daher nicht als 1:1-Kopie einer Master-CD geeignet ist, lässt sich damit eine Master-Demo-CD überrmitteln, die außer den ISRC-Codes genau dem Original entspricht.

BIN-Images lassen sich auch ohne das Brennen auf CD als virtuelle Laufwerke mounten! Dazu benötigt man aber mindestens DAEMON Tools lite für OS-X (20 Tage lang kostenlos, danach 6,90 EUR) oder die DAEMON Tools lite für Windows (wahlweise dauerhaft kostenlos ohne Support vom Hersteller oder mit Support für 14,90 EUR).

Sicherer Datentransfer

Audiodateien (auch Images) sollten für einen Datentransfer übers Internet (ob per E-Mail, über Dropbox oder über einen FTP-Server) grundsätzlich in ein ZIP- oder anderes Archiv (z. B. RAR) verpackt werden! (Eine Audioformat, das auch ohne Verpacken in ein Archiv in puncto Datenintegrität den ZIP- oder RAR-Files ebenbürtig ist, ist FLAC *.)

Begründung: Ein fehlerhafter oder vorzeitig abgebrochener Datentransfer von Audiodaten (auch Video-Dateien) als unverpackte Wave-, Aiff-, MP3- oder ähnliche Media-Dateien kann der Adressat nicht zuverlässig erkennen, weil sich unvollständig oder fehlerhaft übertragene Audio- oder Video-Dateien oft auch mit den Fehlern abspielen lassen. Unauffällige Fehler bleiben also eventuell unentdeckt, weil der Adressat nicht dierekt mit der originalen (fehlerfreien) Datei vergleichen kann. Jedes Archiv wie z. B. ZIP, RAR etc. verweigert aber das Enpacken seines Inhalts, wenn seine Daten nicht 100%ig einer Integritätsprüfung standhalten (Sitchwort: Checksumme). Wie bereits erwähnt, bildet das FLAC-Format* eine Ausnahme.

Fazit: Kopiert oder überträgt man Audio- oder Videodaten in ZIP- oder RAR-Archiveni verpackt, kann man sicher sein, dass sie nach einem problemlosen Auspacken des Archivs 100%ig identisch mit dem Original sind. FLAC-Dateien können dagegen garantiert verlustfrei auch unverpackt übertragen und dann auch in Realtime abgespielt werden.

DDP- oder BIN-Images bestehen aus mehreren Dateien, wovon eine die Checksumme zur Prüfung der Datenintegrität enthält. Dennoch ist auch hier zu empfehlen, alle zum Image gehörigen Dateien in ein Archiv zu packen, schon damit der Adressat alle dazugehörigen Dateien in einem einzigen File empfangen kann.

CD-Extra

Komplizierter wird es, wenn man eine CD-Extra mit CD-Text im Audiobereich und z. B. MP3-Files im Datenteil als Image-Datei an ein Presswerk übermitteln möchte. Zur Erzeugung eines entsprechenden DDP-Image benötigt man ein Tool, das zusätzlich zum Export des Audio-Teils noch eine zweite Daten-Session in das Image integrieren kann. Eine dafür geeignete Software ist z. B. die Pro-Version des DDP-Creators von Sonoris.

Wer dabei noch gewährleisten möchte, dass der Datenteil der CD-Extra unter OS-X auch als solcher über den Desktop automatisch zugänglich ist, muss darauf achten, dass im Datenbereich eine Datei "Autorun.inf" enthalten ist – ein Textfile mit folgendem Inhalt:

[autorun]
label=Titel des Albums oder Datenteils

 

*) FLAC ist ein verlustfreier Audio-Codec (ähnlich wie WAVE oder AIFF), der in Realtime abgespielt werden kann. FLAC-Dateien enthalten eine Checksumme, sodass sie garantiert exakt encodiert werden. Sie müssen also nicht gezippt oder sonswie in einem Archiv verpackt werden, um einen zuverlässigen Transfer zu garantieren. Insofern wäre FLAC das ideale Standard-Format für professionelle Anwendungen über alle Plattformen hinweg.

Leider gibt es nur wenige Mastering-DAWs wie z. B. Sequoia (für Windows) oder Wavelab ab 7.1, die in der Lage sind, FLAC-Dateien komfortabel zu ex- bzw. importieren. Eine Freeware-Lösung zum Konvertieren von FLAC-Dateien zu anderen Audioformaten und umgekehrt ist das PC-Programm Media Monkey.

© 2012 by W. Fiedler

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