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Latenzkompensation (Delay Compensation)

Hinter dem Begriff verbirgt sich die Fähigkeit einiger DAWs wie
z. B. Sequoia oder SADiE, die Latenzen bzw. Delays zu kompensieren (für die Wiedergabe bzw. Bearbeitung "unschädlich" zu machen), die normalerweise entstehen, wenn unterschiedliche VST-, AU- oder RTAS-PlugIns als Inserts zur Trackbearbeitung eingesetzt werden.

Durch die mehr oder weniger aufwändigen Rechenoperationen, die zur Klangbearbeitung in den PlugIns stattfinden, entstehen unterschiedliche Verzögerungen der Audiosignale am Ausgang jedes Plugins. Auf parallelen Tracks z. B. in einem Mix, auf denen die Audiodaten samplegenau miteinander synchron laufen müssen, würde das zu einem klanglichen Chaos führen, wenn diese Verzögerungen nicht von der Host-Software ausgeglichen würden. Dies wird dadurch möglich, dass alle PlugIns (mit wenigen Ausnahmen) ihre Latenz (Verzögerung) an die Host-Software melden, welche daraufhin die Tracks untereinander entsprechend unterschiedlich verzögern bzw. vorverzögern kann. Die vom PlugIn verursachte Verzögerung wird als Anzahl der Samples gemeldet.

Die meisten gängigen DAWs wie Sequoia/Samplitude, Logic, Nuendo, SADiE ... etc. unterstützen diese Funktion automatisch. Lediglich in Pro Tools (die Nicht-TDM-Version, die nur über die RTAS-Pluin-Schnittstelle verfügt) bis zur Version 10 ist die Latenzkompensation (Delay Compensation) wahlweise automatisch oder manuell verfügbar, allerdings nur eingeschränkt. Die Einschränkung besteht darin, dass die kompensierbare Anzahl der Samples limitiert ist – je nach Samplerate des Projekts und entsprechend folgender Einstellungen im Setup der Playback Engine:

Einstellung "Short"
1.023 Samples bei 44.1/48 kHz, 2.047 Samples bei 88.2/96 kHz, 4.094 Samples bei 176.4/192 kHz

Einstellung "Long"
4.095 Samples bei 44.1/48 kHz, 8.191 Samples bei 88.2/96 kHz, 16.382 Samples bei 176.4/192 kHz

Einstellung "Maximum"
16.383 Samples bei 44.1/48 kHz, 32.767 Samples bei 88.2/96 kHz, 65.534 Samples bei 176.4/192 kHz

Leider führen diese Limitierungen in Pro Tools dazu, dass einige PlugIns mit aufwändigen Rechenoperationen wie z. B. der UAD Percision Multiband das Limit in den Sampleraten 44.1/48 kHz auch in der Einstellung "Maximum" soweit ausreizen, dass eine Kombination mit weiteren aufwändigen PlugIns auf dem gleichen Track nicht möglich ist. Diese Einschränkung lässt die bisherigen Versionen von Pro Tools für den Einsatz als Mixing-DAW leider nur als bedingt geeignet erscheinen.

© 2013 by W. Fiedler

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