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VINYL MASTERING IM DETAIL

Eine häufig gestellte Frage: Wie lang darf eine Vinyl-LP maximal sein?
Die Antwort: Es hängt vom gewünschten Sound, Stil und der Lautheit ab. Je mehr kraftvolle tiefe Frequenzen enthalten sein müssen, desto mehr Platz auf dem Medium wird benötigt. Das bedeutet, dass z. B. eine laute Hip-Hop-Produktion nicht länger als 10 oder 15 Minuten pro Seite sein sollte. Dagegen kann eine Kammermusik-Produktion ohne viel tiefe Frequenzen 25 oder maximal (!) 30 Minuten pro Seite lang sein. Das durchschnittliche Frequenzspektrum und die benötigte Länge beeinflusst aber auch wesentlich den durchschnittlichen Pegel (also die Lautheit), der vom Vinylschnitt-Ingenieur festgelegt wird.

Eine andere typische Frage: Welche speziellen Anforderungen werden an die Klangbearbeitung für Vinyl gestellt – verglichen mit dem Mastern für CD?
Die Antwort: Generell kann man nicht empfehlen, den Klang speziell für eine Vinyl-Produktion zu bearbeiten oder zu modifizieren. Der wesentliche Unterschied, verglichen mit dem Audio-CD-Format, sollte ein Vinyl-Master eine möglichst hohe Samplerate und Bit-Tiefe (z. B. 88,2 kHz oder höher und mindestens 24 Bit) haben. Ein Up-Sampling nach der Mastering-Bearbeitung macht allerdings keinen Sinn, da damit die Audioqualität nicht verbessert werden kann. Falls der Mix (vor dem Mastering) mit einer Samplerate von 44,1 kHz geliefert wird, könnte es für die nachfolgenden Mastering-Prozesse nach 88,2 kHz konvertiert werden – siehe auch Mastering Strategien. Der Vorteil von 88,2 kHz gegenüber beispielsweise 96 kHz wäre, dass – falls gewünscht – beim Export in ein zusätzliches Audio-CD-Format die Samplerate nur im Verhältnis 2:1 umgerechnet werden müsste (eine relativ verlustfreie Samplerate-Konvertierung).  

Die 88,2/24-Bit-Master-Tracks können, unabhängig davon, für den Vinylschnitt verwendet werden. Man muss den Fähigkeiten des Vinyl-Schnittmeisters vertrauen, den Sound – falls nötig – den speziellen Anforderungen des Vinylschnitts entsprechend zu modifizieren/anzupassen. Hauptsächlich betrifft das den Pegel (Lautheit), um die bestmögliche Basswiedergabe zu gewährleisten und das Übersprechen zwischen den Stereo-Kanälen so gering wie möglich zu halten. Im Höhenbereich könnte ein Limiter zum Einsatz kommen, um technische Probleme beim Vinylschnitt zu vermeiden. Diese notwendigen Eingriffe haben naturgemäß den meisten Einfluss auf die Lautheit der Vinyl-Scheibe.

Und deshalb ist es auch am besten, ein Master mit möglichst hoher Samplerate und mindestens 24 Bit zu liefern, sowie hinsichtlich Klang und Lautheit vor allem auf Transparenz und Dynamik und genug Headroom zu achten.

Ein weiteres Thema ist die Frage nach den Pausenlängen zwischen den Tracks. Für den Umgang damit gibt es mindestens vier Möglichkeiten:

  1. Wir liefen die Tracks als einzelne Wave-Dateien mit Dateinamen oder anderen Hinweisen auf die chronologische Anordnung und lassen den Vinylschnitt-Toningenieur über die Pausen zwischen den Tracks entscheiden.
  2. Wir liefern zwei Wave-Dateien mit der gesamten A- bzw. B-Seite, also auch schon mit den zwischen den Titeln vorgesehenen Pausen.
  3. Wir liefern die Tracks als einzelne Wave-Dateien (siehe 1.) und dazu eine TOC (table of contents) für die jeweilige Seite mit genauen Angaben zu den Pausenzeiten zwischen den Tracks.
  4. Wir liefern die Tracks als einzelne Wave-Dateien, aber mit den gewünschten Pausen an deren Ende, und informieren den Vinyl-Schnittmeister über die damit verbundene Absicht (nicht wirklich meine Empfehlung).

Ich würde die Option 3. als die möglicherweise professionellste bevorzugen. Unabhängig davon ist empfehlenswert, sich mit dem Vinyl-Schnittmeister in Verbindung zu setzen und die von ihm bevorzugte Methode anzuwenden.

© 2017 by W. Fiedler

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